
Ein Tunnel für Straße und Bahn
Der kombinierte Absenktunnel unter Aufrechterhaltung der bestehenden Fehmarnsundbrücke für den untergeordneten Verkehr sowie für Radfahrer ermöglicht es zukünftig, das sensible Landschaftsbild weitestgehend in seiner Wahrnehmung zu erhalten. Das Landschaftsbild wird durch die exponiert gelegene Fehmarnsundbrücke bestimmt.
2019 - 2023
Fehmarnsund
Tunnel verbinden

Die von 1960 bis 1963 erbaute Fehmarnsundbrücke wird zu Recht als überregional bedeutsames Netzbogentragwerk anerkannt, die aus dem 1959 durchgeführten Wettbewerb zum Entwurf der Brücke als Sieger hervorging. Gerd Lohmer formte als Architekt zusammen mit der Gutehoffnungshütte Sterkrade AG (dortige Ingenieure waren G. Fischer, T. Jahnke und P. Stein) die kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke mit zwei gegeneinander geneigten 268,5 m langen Parabelbögen, die sich in 45m Höhe am Scheitelpunkt berühren. Es entstand nicht nur eine der ältesten und längsten Netzbogenbrücken ihrer Art, sondern auch ein architektonisch für diesen besonderen Ort geschaffenes Bauwerk. Es zeigt die stilprägenden architektonischen Gestaltungsansätze aus der Zeit um 1960.

Die Ruhe des Landschaftsbildes wird mit den sanften Linien des Bauwerks adaptiert.
Die Gestaltung ist bewusst „leise“ und respektiert mit ihrer Ruhe ausstrahlenden Wirkung das Landschaftsbild. Die Portale des Tunnels sind in ihrer Gestaltung so geformt, dass sie die weichen Landschaftsformen der Umgebung mit ihren sanften Linien des Reliefs aufnehmen und für das Bauwerk adaptieren. So werden abgerundete Bereiche, sanfte Materialübergänge oder auch vermittelnde Oberkantenverläufe ohne Brüche geschaffen. Die drei nebeneinander liegenden Portalrahmen erwachsen aus der Trennwand des Mittelstreifens bzw. Randstreifens und verbinden sich im Scheitelpunkt jeweils zu einem „Tunnelmund“. Die drei einzelnen Portale verbinden sich zu einem gemeinsamen zusammengefassten Tunnelportal Nord bzw. Süd.

Die Gesimsbänder unterstützen dieses gestalterische Motiv. Sie setzen sich in den Trogbereichen an den Wandoberkanten fort. Die Trennwand zwischen Straße und Schiene entwickelt sich in gleicher Weise. Die Oberkante dieser Trennwand wird im Trogbereich höhenvermittelnd ohne Brüche parallel zur Gradiente geführt bis sie im Übergang Trogende auf „Null“ ausläuft. Die außenliegenden geneigten Stützwände lehnen sich nach außen gegen das Erdreich und weiten so den Wahrnehmungsausschnitt aus Nutzersicht.
Länge des Tunnelbauwerks
Konstruktionsbreite
Gesamtbaukosten
Konstruktion

weiche Formen, geneigte Oberflächen und geschwungene Kanten
Die weichen Formen, geneigten Oberflächen und geschwungenen Kanten führen in ihrer Gesamtwirkung dazu, dass man aus Nutzersicht auf ein Bauwerk zufährt, das nicht als Gefahr oder einengendes Hindernis wahrgenommen wird. Auch die Gestaltung der Oberflächen folgt diesem Ansatz, indem bandartige Elemente, wie z.B. das Lärmschutzwandelement in Holzfaserbeton in Wellenform, die horizontale Wirkung stärken. Hier kann ein Farbkonzept für die Auswahl von Holzfaserelementen die Gestaltung zusätzlich vervollständigen. Letztlich also dient die „leise“ architektonische Gestaltung auch der Verkehrssicherheit.




Projektdaten
Kategorien
Ort
Großenbrode / Fehmarn
Jahr
2019 - 2023
Leistungen
Baugestalterische Beratung
LPH 2 - 4
Denkmalrechtliche Abstimmungen
Bauherr
DB InfraGo AG
DEGES
Auftraggeber
ARGE fehmarnlink2:
Ramboll Deutschland GmbH, Hamburg
Böger+Jäckle GmbH, Henstedt-Ulzburg